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© 2011 - 2017 Ev.-Luth. Kirchengemeinde, D-21483 Gülzow

Pressetext aus der LN-Serie: Hinter alten Mauern

Das kleine Gotteshaus mit dem seltsamen Turm

St. Petri, erbaut aus Feldsteinen und knapp 200 Jahre alt, ist eine der schönsten Kirchen im Suden des Kreises.


Gülzow. Die Frage, ob der Turm der Petrikirche in Gülzow rund oder viereckig ist, kann man mit einem klaren Ja beantworten - er ist beides. „Solche Kirchtürme findet man wohl gelegentlich an der Westküste von Schleswig-Holstein, im Kreis Herzogtum Lauenburg aber sonst nirgendwo“, sagt Pastor Stephan Krtschil, seit vier Jahren Seelsorger in Gülzow und auch Vorsitzender des örtlichen Kirchengemeinderats.


Im „Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler“ wird das Gebäude so charakterisiert: „Längs-rechteckiger Feldstein-Saalbau mit niedrigem Walmdach. Außen derb durch breite, verputzte Eckstreifen und ein horizontales Putzband gegliedert, das die hohen Rundfenster zweiteilt. Quadratischer Westturm mit Holz-Kupfer-Helm in Form eines hohen, überkuppelten Zylinders.“ Und dieser quadratische Turm mit dem Zylinder obendrauf, der ist eben eine Besonderheit in unserer Region.


Das Gotteshaus mitten im Dreieck Büchen - Schwarzenbek - Lauenburg ist nicht das erste an dieser Stelle. Die Vorgängerkirche, die auch schon nach dem heiligen Petrus benannt war, musste wegen Baufälligkeit anno 1812 abgebrochen und durch den jetzigen Bau ersetzt werden. Die neue Kirche wurde nach Plänen des Landesbauverwalters Heinrich Michael Siegesmund Pampel aus Feldsteinen errichtet und am 29. August 1819 eingeweiht.


Dass die alte Kirche sich zum Schluss in einem jämmerlichen Zustand befand, hatte mehrere Gründe. Erstens weigerten sich etliche umliegende Dörfer, sich an dringend nötigen Reparaturarbeiten zu beteiligen - mit der Begründung, man habe schon 1754 den teuren Bau des Gülzower Pastorats mit finanziert. Und zweitens nutzten französische Truppen 1813 das Gebäude als Stroh- und Heumagazin und rissen zuvor alle Kirchenbänke heraus. Das bekam der Substanz nicht gerade gut. Küster Holdmann schrieb damals, er betrachte das Mauerwerk mit größter Sorge, "weil es jeden Augenblick einzustürzen droht". 1816 stürzte wirklich ein Teil der Kirche ein, ein Jahr später verschwand auch der morsche Rest.



Der Innenraum der heutigen Kirche sieht nicht mehr so aus wie nach der Erbauung. Er wurde 1959/60 völlig neu gestaltet, wobei die Emporen an der Nord- und Südseite, auf denen sich auch das Patronats-Gestühl der Familie der Gutsbesitzer befand, entfernt wurden. „Sehr schlicht, fast etwas zu schlicht“ habe das Gotteshaus nach der Umgestaltung gewirkt, sagt Pastor Krtschil. Vor etwa 30 Jahren wurden allerdings noch einmal Veränderungen im Inneren vorgenommen. So wurden die großen Wandflächen durch Pilaster und ein Gesimsband gegliedert. Überladen ist der Raum immer noch nicht, ansehnlich aber allemal.

Dazu trägt unter anderem der herabziehbare hölzerne Taufengel bei, der 1695, also in der Barockzeit, entstand. Der Engel stammt aus der Vorgängerkirche, genauso wie das Ölgemälde „Anbetung des Kindes“ am Altar. Es wurde wohl Ende des 18. Jahrhunderts gemalt - von wem, ist nicht mehr zu ermitteln. Das wiederum liegt daran, dass das Dörfchen Gülzow in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges durch Artillerie-Beschuss große Schäden erlitt. Auch das Pastorat wurde getroffen und brannte ab. Dabei wurden das Archiv und die Kirchenbücher vernichtet. So birgt der unverwechselbare Feldsteinbau vielleicht noch manche Geheimnisse, die nie mehr gelüftet werden können.


Quadratischer Sockel mit aufgesetztem Zylinder, darüber Kuppel mit Kreuz.


Taufengel schwebt zum Altar.


Fotos: Manfred Maronde,
2017 bzw. 2012

Pastor Stephan Krtschil ist seit vier Jahren Seelsorger in Gülzow und Vorsitzender des Kirchengemeinderats.


Foto: Norbert Dreessen

St. Petri in Zahlen

Die evangelische Kirchengemeinde in Gülzow umfasst derzeit etwa 1300 Gemeindemitglieder. Ihre Kirche namens St. Petri verfügt auf den Bänken über rund 200 Sitzplätze und ist, wie die meisten anderen Gotteshäuser auch, zu Weihnachten und zu Ostern am besten besucht. Große Orgelkonzerte finden hier nicht statt, aber zu den Gottesdiensten erklingt ein Instrument, das einst für 15.000 Mark gebraucht in Flensburg gekauft wurde.



Quelle: Lübecker Nachrichten, 16. April 2017, Autor: Norbert Dreessen